01.08.2017 / Allgemein / /

1. August-Ansprache in Oberiberg

Geschätzte Damen und Herren

Der würdige Rahmen und die Festlichkeit wie hier in Oberiberg der 1. August gefeiert wird beeindruckt mich sehr. Die Verantwortlichen des Verkehrsvereins machen hier einen sehr guten Job. Es ist heute nicht selbstverständlich, dass in einer Gemeinde überhaupt noch eine offizielle 1. Augustfeier stattfindet. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass der Musikverein, Trychler, Alphornbläser(in), Juuzer, Meitli und Buebe mitmachen und ein solches attraktives Programm bieten. Vielen Dank für das grosse Engagement. Ich fühle mich richtig geehrt hier vor so viel Publikum die Festrede halten zu dürfen.

Wir feiern heute unsere Heimat, wir feiern die Schweiz, wir feiern unseren Staat und somit feiern wir eigentlich uns alle, uns selber. Wir feiern unsere Vorfahren und damit unsere Vergangenheit, wir feiern aber auch das Jetzt. Hoffen und beten, dass es so bleibt und die Zukunft nichts Schlechtes bringt. Unsere Heimat so bleibt wie sie ist.

Zu Recht können wir stolz sein auf die Schweiz, auf unseren Staat. Über das Ganze gesehen geht es uns sehr gut. Wir haben eine sehr tiefe Arbeitslosigkeit, der Wirtschaft geht es gut, wir haben den sozialen Frieden das heisst alle haben mehr oder weniger alles was es zum Leben braucht und sind zufrieden, wir haben Rechtssicherheit, wir haben ein sehr gutes Gesundheitswesen, das zwar viel kostet aber allen zugänglich ist, unser Bildungssystem ist einzigartig und auch finanziell stehen wir gut da. Die Schweiz ist eine der wenigen Staaten in Europa, die Schulden abbauen kann. Wir haben eine Armee, die grosses Vertrauen geniesst und uns in einem Krisenfall helfen und verteidigen kann. Wir fühlen uns sicher und sind zum Glück bis heute von terroristischen Anschlägen verschont geblieben. Das Sozialwesen ist sehr gut organisiert. Die Sorgen die wir haben, sind verglichen mit denjenigen, die man sich in anderen Ländern machen muss eigentlich keine und vernachlässigbar. Jetzt gerade müssen wir die Altersvorsorge den aktuellen Gegebenheiten anpassen, aber auch das werden wir überstehen. Die Abstimmung am 24. September ist nicht einfach. Die Materie ist sehr technisch und kompliziert. Vor allem die zusätzlichen 70 Franken für Neurentner in der AHV sind umstritten. Persönlich bin ich der Meinung, dass es keine Verschlechterung der Leistungen geben darf. Durch den tieferen Umwandlungssatz in der 2. Säule erhalten die Rentner weniger. Damit sie aber gleichviel wie bis anhin erhalten, bekommen sie bei der AHV 70 Franken mehr. In der Schweiz ist man seit eh und je solidarisch. Der Stärkere hilft dem Schwächeren. Unser wichtigstes Sozialwerk, die AHV darf nicht an die Wand gefahren werden. Die Altersreform 2020 ist nicht gratis zu haben. Sie kostet etwas, eine Verschlechterung der Leistungen ist aber in dieser wirtschaftlich guten Zeit nicht angebracht. Das Rentenalter der Frauen  wird auf 65 erhöht, der Konsument muss mit 0,3% mehr Mehrwertsteuer, der Arbeitnehmer mit 0.15 mehr Lohnbeitrag und der Arbeitgeber mit 0.15% mehr Lohnbeitrag daran bezahlen. Ich meine das ist in dieser guten Zeit für alle verkraftbar.  Ich hoffe die Altersvorsorge 2020 wird angenommen. Keine Lösung wäre die teuerste Lösung. Sie alle sind gefordert abzustimmen. Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit merkt was für Volk und Land richtig ist. Dass wir über solche Sachen abstimmen können, ist einer der Hauptgründe, weshalb die Schweiz so erfolgreich ist. Es ist der gesunde Menschenverstand und manchmal auch das Bauchgefühl das die Entscheidungen prägt und das ist nicht das Schlechteste. Es sind aber noch andere Faktoren die den Erfolg ausmachen.

Vier Beispiele

  1. Wir Schweizerinnen und Schweizer sind arbeitsam und fleissig. Wir arbeiten nicht nur 35 Stunden die Woche nein 40 und mehr und das länger als 40 Jahre. Die Schweizer haben eine positive Einstellung zur Arbeit und zur Wirtschaft. In einer Abstimmung vor 6 Jahren haben wir sogar freiwillig auf 6 Wochen Ferien verzichtet.
  2. Die Schweiz ist schon über Jahre eines der innovativsten und wettbewerbsfähigsten Länder der Welt. Dies ist vor allem auf unser gutes, solides Bildungssystem zurückzuführen. Gute Bildung, gepaart mit Fleiss, Disziplin und Genauigkeit sind das Fundament für diesen Erfolg. Auch das muss hart erarbeitet werden.
  3. Wir sind bereit Verantwortung zu übernehmen. Wir wollen nicht alles dem Staat überlassen. Sehr viele von ihnen engagieren sich in der Feuerwehr, in Genossamen, Flurgenossenschaften, Wuhrkorporationen, Wasserversorgungen, Verkehrsvereinen usw. Viele sind bereit in solchen Gremien ehrenamtlich, praktisch für Gotteslohn zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. In diesen Institutionen wird sehr effizient gearbeitet. Vielen ist nicht bewusst, dass hier der Staat und somit der Steuerzahler und die Wirtschaft stark entlastet wird.
  4. Wir sind eigenwillig und kritisch gegenüber Obrigkeiten und dem Staat. Wir lieben die Freiheit. Der Kanton Schwyz und besonders die Ybriger sind bekannt für dieses Verhalten. Es braucht nicht alles und jedes gesetzlich geregelt zu sein. Je mehr Vorschriften umso grösser und teurer der Kontrollapparat umso grösser das Misstrauen zwischen Behörde und Volk. Vorschriften lähmen das Handeln.

Ist dieser Erfolg auch in den nächsten Jahren gesichert? Leider gibt es Anzeichen, dass sich viele Schweizerinnen und Schweizer nicht mehr für den Staat und die Gemeinschaft interessieren. Viele Leute stellen  hohe Ansprüche, engagieren sich aber nicht. In vielen Schweizergemeinden findet man keine Gemeinderäte und Gemeindepräsidenten mehr. Die Feuerwehr hat Mühe Leute zu finden und es wird immer schwieriger Vereinsvorstände zu besetzen. Man sitzt am liebsten zuhause vor dem Computer oder dem Fernsehen. Ich bin gespannt ob die Stimmbeteiligung bei dieser wichtigen Vorlage zur Altersvorsorge bei mehr als 40% liegt oder ob es mehr als 50%  egal sein wird, ob die AHV weiter finanziert werden kann oder nicht.

Geschätzte Damen und Herren die 3 Eidgenossen Werner Stauffacher, Walter Fürst und Arnold von Melchtal sind auf dem Rütli zusammengestanden, haben beschlossen und geschwört. Sie haben das Wohl der Miteidgenossen und Genossinnen in den Vordergrund gestellt. Dieser Geist hat die Schweiz erfolgreich gemacht. Wenn wir weiterhin erfolgreich sein wollen braucht es Engagement für die Gemeinschaft, das fängt  in der Familie an, geht weiter mit dem Engagement am  Arbeitsplatz, dem Engagement in den Vereinen, dem Engagement in einem Schulrat, Gemeinderat, Kantonsrat oder in einem eidgenössischen Rat. Es braucht Menschen die zueinander stehen und sich füreinander einsetzen. Einer für alle, alle für einen das steht zuoberst an der Decke der Bundeshauskuppel. In einer Gemeinschaft die nach diesem Leitspruch lebt ist einem wohl und fühlt man sich daheim. Das gibt Heimat. Einer für alle, alle für einen das ist der Schlüssel zum Erfolg in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein,  in der Gemeinde, im Kanton und in der ganzen Schweiz. Ich hoffe es gelinge uns auch weiterhin nach diesem Leitspruch zu leben.

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen 1. Augustabend.