01.08.2019 / Allgemein / /

1. August Ansprache auf dem Stoos

Geschätzte Damen und Herren

Eine 1. Augustrede auf dem Stoos zu halten ist ein Privileg, das ich sehr schätze. Hier oben hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Der Stoos steht heute für Innovation, für Entwicklung, für positives Denken, aber auch für Tradition und eine wunderschöne, intakte Natur. Das hat den Stoos bekannt und erfolgreich gemacht. Genau die gleichen Werte waren in der Vergangenheit bis heute die Grundlage, dass unsere Schweiz erfolgreich war, ist und hoffentlich bleiben wird.

Ich weiss auf dem Stoos geht es manchmal ruppig zu und her. Am Schwingfest hier drüben ist das selbstverständlich aber es gab immer wieder Zeiten da war man sich überhaupt nicht einig und an Gemeinde- und Tourismusvereinsversammlungen wurde hart diskutiert. Trotzdem und vielleicht genau deswegen hat man sich in den letzten Jahren gefunden und damit den Nährboden für Spezielles ja sogar für Weltneuheiten geschaffen. Es wurde kräftig investiert und der Erfolg zeigt, dass es richtig war. Man bleibt aber auch jetzt nicht stehen, sondern die Entwicklung geht weiter und es wird weiter investiert. Man schaut nach vorne und glaubt an die Zukunft.

Ich möchte aber jetzt mit meiner Hommage an den Stoos aufhören. Wir feiern ja heute nicht den Stoos, sondern wir feiern heute unser Land wir feiern die Eidgenossenschaft, wir feiern unsere Gemeinschaft. Auch in der Schweiz war und ist man sich nicht immer einig. Unser Staatswesen profitiert von einer kritischen aber konstruktiven Auseinandersetzung untereinander. Verschiedene Meinungen. verschiedene Ansichten haben uns in der Vergangenheit weitergebracht und bringen uns auch in Zukunft weiter. Wenn in der Vergangenheit zu allem was der Gemeinderat, der Bezirksrat, der Regierungsrat ja sogar der Bundesrat zur Abstimmung vorgelegt hat einfach ja und Amen gesagt worden wäre, wäre die Schweiz nicht das was sie heute ist. Das Volk hat in der Schweiz das Sagen. Es braucht verschiedene Ideen und Weltansichten und hier spielen die Parteien eine wichtige Rolle. Wenn Mitbürgerinnen und Mitbürger sogenannte linke Positionen vertreten, ist das nicht des Teufels und dasselbe gilt auch für Positionen von der rechten Seite. Unser politisches System funktioniert nur, wenn Bürgerinnen und Bürger Visionen und eigene Ideen haben und sich auch mit anderen Ideen auseinandersetzen. Die mehrheitsfähigen Lösungen werden schlussendlich in der Mitte gemacht. Sie sind immer ein Kompromiss der verschiedenen Positionen. Ein typisches Beispiel war die STAF-Vorlage. Hier hat die Mitte bestehend aus CVP und FDP ein Kompromiss gezimmert, dem das Volk dann zugestimmt hat. Damit hat man die finanzielle Situation in der AHV etwas entschärft und die Steuerattraktivität der Schweiz für die Unternehmen verbessert. Leider wurden bei den Wahlen in letzter Zeit vor allem die Pole rechts und links gestärkt. Auf extremen Positionen zu beharren sind in der Öffentlichkeit attraktiver. Die Kompromissfähigkeit einer Politikerin oder eines Politikers wird als Schwäche angesehen.

Eine Vielfalt der Meinungen ist sehr wichtig. In unserem demokratischen System garantieren die Parteien die Vielfalt. Im Normalfall schlagen die Parteien Leute für die politischen Gremien vor. Leider gibt es heute in vielen Gemeinden noch eine allenfalls zwei Parteien wenn überhaupt. Es ist äusserst schwierig Leute zu finden die sich in einem Gemeinderat oder Kantonsrat engagieren wollen. Einzige Ausnahme sind die mehr als 70 Kandidierenden für 4 Nationalratssitze im Kanton Schwyz. So viele haben in unserem Kanton noch nie kandidiert. Das beurteile ich positiv und freue mich auf die wahlkämpferischen Auseinandersetzungen an den Podien im Herbst. So wie ich es in den letzten Wahlkämpfen erlebt habe werden die Säle aber fast leer sein und es interessiert eigentlich niemand was da diskutiert wird. Dieses Desinteresse und die verminderte Leistungsbereitschaft etwas für die Gemeinschaft und den Staat zu machen beunruhigt mich. Ich appelliere deshalb an alle sich zu engagieren. Ich war selber Bezirksrat, Bezirksammann und Kantonsrat. Aktuell durfte ich die letzten 8 Jahre im Nationalrat politisieren und hoffe ich darf es weitere 4 Jahre tun. Natürlich ist man viel unterwegs an Sitzungen aber Politik ist sehr interessant und eine gewisse Anerkennung kommt auch zurück. Das Erfolgsmodell Schweiz funktioniert nur, wenn es Leute gibt die sich nicht aus Eigennutz, sondern neben dem Beruf und der Familie zuerst in einem Verein, dann in Kommissionen, Schulräten, Gemeinde- und Kantonsräte mitwirken, diskutieren und bestrebt sind Lösungen zu finden. Ich empfehle ihnen einer Partei beizutreten, eine Gemeindeversammlung zu besuchen oder sich als Schulrat, Gemeinderat oder Kantonsrat zur Wahl zu stellen. Wie gesagt Nationalräte und Ständeräte auch Bundesräte haben wir genügend aber bei allen anderen Ämtern, in Vereinen, unter anderem auch in der Feuerwehr braucht es Leute die sich engagieren, sonst funktioniert unser System nicht mehr.

Wenn ich über unser Land hinausschaue, stelle ich mit Genugtuung fest, dass die Schweiz nach wie vor erfolgreich unterwegs ist. Wir sind eines der wettbewerbsfähigsten und innovativsten Länder der Welt. Die Schweizer Wirtschaft läuft sehr gut. Wir haben praktisch Vollbeschäftigung. Die EU-schwadroniert und ist mit sich selber beschäftigt. Der Brexit schwächt die EU und somit ganz Europa. Viele EU-Staaten schauen zuerst für sich. In Frankreich rebelliert ein grosser Teil des Volkes. Viele Staaten leben über ihre finanziellen Verhältnisse. Die Schweiz hat ihre Finanzen im Griff. Wir können nach wie vor Schulden abbauen und haben eine sehr tiefe Staatsverschuldung, die in Europa einzigartig ist.

Es gibt in verschiedenen Bereich auch Handlungsbedarf. So müssen die Beziehungen mit Europa geklärt werden. In der nächsten Zeit wird die Begrenzungsinitiative dem Volk zur Abstimmung vorgelegt. Diese Initiative stellt die Personenfreizügigkeit mit der EU massiv infrage und würde die Beziehungen zur EU unnötig vergiften. Das Volk hat zwar eine zukunftsweisende Energiepolitik beschlossen. Bezüglich Klimapolitik haben wir aber wie andere Staaten Handlungsbedarf. Hier darf aber nicht übertrieben, sondern es sollte überlegt vorgegangen werden. Als Sicherheitspolitiker bereiten mir die Aufrüstung der Armeen in Europa und vor allem der Grossmächte USA, Russland und China Sorgen. Ich meine hier muss die Schweiz auf der Hut sein. Die Armee muss zeitgemäss ausgerüstet werden und die Kampfflugzeuge müssen so rasch wie möglich beschafft werden. Es muss alles unternommen werden den nötigen Personalbestand von 100‘000 Armeeangehörigen sicherzustellen.

Geschätzte Damen und Herren die grösste Herausforderung für die Schweiz von morgen besteht darin, weiterhin die Schweiz von heute zu sein. Die heutige Schweiz ist eine einzigartige Verbindung von Freiheit, Sicherheit und Wohlstand. Wir sind mehr als 150 Jahre von Krieg verschont geblieben. Wir sind ein historischer Sonderfall. Bleiben wir dies auch in Zukunft? Wir sollten unser Handeln darauf ausrichten, dass nachfolgende Generationen uns keine Vorwürfe machen können, wir hätten nicht alles unternommen, um die Schweiz von heute zu bewahren. Heute ist die Schweiz weltoffen, innovativ und souverän. Wir setzen uns ein für Freiheit und Solidarität. Manchmal braucht es Veränderungen um Traditionen zu bewahren. Die Schweiz hat sich über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte einen hohen Wohlstand erarbeitet, da sollten wir mit Änderungen vorsichtig sein und sich gut überlegen ob diese nötig und richtig sind.

Einer für alle, alle für einen steht beim Eingang ins Bundeshaus zuoberst an der Bundeshauskuppel. An diesem Leitspruch hat sich die Schweiz in der Vergangenheit orientiert. Dieser Leitspruch ist Garant, dass es uns in der Schweiz auch in Zukunft gut geht. Einer für alle, alle für einen gilt in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein in der Gemeinde, im Bezirk, im Kanton und in der ganzen Schweiz. Ich hoffe es gelinge uns auch weiterhin nach diesem Leitspruch zu leben.

Ich wünsche ihnen einen schönen 1. August.

Alois Gmür, Nationalrat