01.08.2018 / Allgemein / /

1. August Ansprache in Einsiedeln

Geschätzte Damen und Herren

Sie alle sind hier um miteinander 1. August zu feiern. Ich finde es toll, dass jedes Jahr in unserem Dorf Einsiedeln trotz Ferienzeit eine solche Feier zustande kommt. An verschiedenen Orten können mangels Mitwirkenden gar keine 1. August-Feiern mehr durchgeführt werden. Nur dank den vielen Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen ist eine Feier in diesem schönen Rahmen möglich.

Herzlichen Dank allen die auftreten und allen die für das leibliche und seelische Wohl besorgt sind.

Wir alle sind gekommen um unser Land, unsere Heimat, uns selber zu feiern. Man muss nicht Nationalist sein um die Schweiz feiern zu können. Die Schweiz gehört uns allen. Wir alle dürfen mit gutem Gewissen und stolz unseren Staat und somit unsere Gemeinschaft feiern. Wir müssen nicht immer gleicher Meinung sein. Unser Staatswesen profitiert von einer kritischen aber konstruktiven Auseinandersetzung zwischen uns. Verschiedene Meinungen und Ansichten haben uns in der Vergangenheit weitergebracht und bringen uns auch in Zukunft weiter. Wenn in unserer Staatsgeschichte zu allem immer ja und Amen gesagt worden wäre, wäre die Schweiz nicht das was sie heute ist. Es braucht verschiedene Ideen und Weltansichten, es braucht verschiedene Parteien. Wenn Mitbürgerinnen und Mitbürger sogenannte linke Positionen vertreten, ist das nicht negativ und dasselbe gilt auch für rechte Positionen. Unser politisches System funktioniert nur, wenn Bürgerinnen und Bürger Visionen und eigene Ideen haben und sich auch mit anderen Ideen  auseinandersetzen, sich aber auch für ihre Meinung einsetzen. Die guten Lösungen werden schlussendlich in der Mitte gemacht. Diese ist immer ein Kompromiss der verschiedenen Positionen. Es ist Pflicht jedes einzelnen von uns sich zu informieren und abzuwägen was ist gut für die gesamte Gemeinschaft.  Um sich eine Meinung zu bilden, braucht es vor allem objektive Information. Es ist Pflicht eines jeden von uns diese Informationen zu holen. Diese Informationen stehen bei Abstimmungen nicht nur im Abstimmungsbüchlein, sondern es braucht Medien mit ebenfalls verschiedener politischer Ausrichtung, die pro und contra beleuchten und analysieren.  Die Medienvielfalt und damit auch die öffentliche Meinungsvielfalt ist meiner Ansicht nach je länger je mehr in Gefahr. Zum Glück hat das Volk die No-Billag- Initiative abgelehnt. Wenn diese Idee durchgekommen wäre, dann hätte das auf den Zusammenhalt unseres Landes höchst negative Folgen gehabt. Gerade unser Schweizer Radio- und Fernsehen hat ja den gesetzlichen Auftrag, objektiv zu informieren. Wenn ich die Situation bei den Zeitungen anschaue, dann ist die Konzentrierung auf praktisch 4 Medienkonzerne höchst problematisch. Ich kann gut nachvollziehen, dass einflussreiche und finanzstarke Politiker sich mit ihrem Geld an Zeitungen beteiligen oder sogar aufkaufen. Denn wer die Information beeinflussen kann, kann das Volk beeinflussen. Ich frage mich aber ernsthaft, ob meine Angst, dass wir uns nicht mehr objektiv informieren können berechtigt ist. Mit Schrecken stelle ich nämlich fest, dass viele Junge gar keine Zeitungen mehr lesen. Die Pendlerzeitung 20 Minuten wird vielleicht noch kurz überflogen aber sonst wird über die sozialen Medien wie Face Book oder Twitter kommuniziert. Wie chaotisch es bei Informationen über Twitter herauskommt erleben wir tagtäglich am Beispiel USA. Wenn man in Einsiedeln wohnt sollte man sich über Dorfleben und Politik informieren und wissen welche Beschlüsse oder Visionen der Bezirksrat hat, was im Kloster passiert, wie erfolgreich die  verschiedenen Sportvereine sind und wie klangvollschön das  Konzert der Feldmusik Bennau war. Objektive Informationen erhält man nicht über die sozialen Medien. Sie verzeihen mir geschätzte Damen und Herren normal mache ich für Einsiedler Bier Werbung aber jetzt an dieser 1. Augustfeier muntere ich alle auf den Einsiedler Anzeiger zu abonnieren und zu lesen. Wenn alle die, die in den letzten Jahren nach Einsiedeln gezogen sind, den Einsiedler Anzeiger abonniert hätten, wäre die Auflage um ein Vielfaches höher. Wenn es Leute gibt, die es nicht interessiert was im eigenen Dorf passiert, wenn es Leute gibt die es nicht interessiert was im eigenen Kanton passiert, dann interessiert diese Leute erst recht nicht was in der Schweiz passiert. Dann ist unsere direkte Demokratie in Gefahr.  Die direkte Demokratie ist das Erfolgsmodell der Schweiz. Erfolg wird einem aber nicht einfach geschenkt man muss etwas dafür tun, sich informieren, sich eine Meinung bilden, sich engagieren.

Die Schweiz ist nach wie vor eines der wettbewerbsfähigsten und innovativsten Länder der Welt. Die Schweizer- Wirtschaft erlebt aktuell einen Aufschwung. Die EU schwadroniert und ist mit sich selber beschäftigt. Der Brexit schwächt die EU und Europa massiv. Viele EU-Staaten schauen zuerst für sich. Die Meinungsverschiedenheiten wie das Migrationsproblem gelöst werden soll sind gross. In verschiedenen Länder haben nationalistische Regierungen das Zepter übernommen. In Russland und in der Türkei regieren Autokraten. Viele Staaten leben über ihre finanziellen Verhältnisse. Die Schweiz dagegen ist sehr gut aufgestellt. Wir können nach wie vor Schulden abbauen und haben eine sehr tiefe Staatsverschuldung. Die Arbeitslosigkeit ist tief. Wir haben die Migrationsproblematik im Griff, haben eine zukunftsweisende Energiepolitik. Unser Verhältnis mit Europa ist einigermassen normal. Wenn der eine oder andere Vertrag veraltet ist und angepasst werden soll, dann sollte man das ohne Aufhebens und immer zugunsten unserer Schweiz machen. Wir dürfen aber mit Initiativen wie die Selbstbestimmungsinitiative nicht ohne Not ein funktionierendes Rechtssystem aushebeln und die EU provozieren. Als Sicherheitspolitiker  bereiten mir die Aufrüstung der Armeen in Europa und vor allem der Grossmächte USA, Russland und China Sorgen. Ich meine hier muss die Schweiz aufpassen. Eine zweite Abstimmung zur Anschaffung von Kampfflugzeugen darf nicht scheitern.

Die grösste Herausforderung für die Schweiz von morgen besteht darin, weiterhin die Schweiz von heute zu sein. Die heutige Schweiz ist eine einzigartige Verbindung von Freiheit, Sicherheit und Wohlstand. Wir sind mehr als 150 Jahre  von Krieg verschont geblieben. Wir sind ein historischer Sonderfall. Bleiben wir dies auch in Zukunft? Wir sollten unser Handeln darauf ausrichten, dass nachfolgende Generationen uns keine Vorwürfe machen können, wir hätten nicht alles unternommen, um die Schweiz von heute zu bewahren. Heute ist die Schweiz weltoffen, innovativ und souverän. Wir setzen uns ein für Freiheit und Solidarität. Manchmal braucht es Veränderungen um Traditionen zu bewahren. Die Schweiz hat sich über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte einen hohen Wohlstand erarbeitet, da sollten wir mit Änderungen vorsichtig sein und sich gut überlegen ob diese richtig sind.

Einer für alle, Alle für einen steht zuoberst unter der Bundeshauskuppel. An diesem Leitspruch hat sich die Schweiz in der Vergangenheit orientiert. Dieser Leitspruch ist der Garant, dass es uns und der Schweiz auch in Zukunft gut geht. Einer für alle, alle für einen gilt in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein, im Bezirk, im Kanton und in der ganzen Schweiz. Ich hoffe es gelinge uns auch weiterhin nach diesem Leitspruch zu leben.

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen 1. August.

Alois Gmür, Nationalrat